Genialer Trip nach Razgrad

Nach der Auslosung war Razgrad für mich das vermeintlich uninteressanteste Spiel der EL- Gruppenphase im Vergleich zu den Spielen in Istanbul und Braga. Es wurde jedoch zu einem genialen Trip und die Spiele in den anderen Städten müssen das erstmal toppen.

Vorbereitung

Nachdem dann klar war, dass das Spiel auch in Razgrad stattfindet, wurden erstmal die verschiedenen Alternativen der Anreise und der Unterkunft gecheckt. Die Varianten über Bukarest und Sofia fanden jedoch relativ wenig Anklang und so entschieden wir uns nach Varna zu fliegen und dort auch noch einen zusätzlichen Tag zu verbringen. Also schnell die günstigste Flugverbindung rausgesucht und gebucht, auch wenn diese den Nachteil hatte, dass man auf dem Rückflug nicht direkt fliegen konnte, sondern einen Zwischenstopp in Mailand-Bergamo hatte. Leider fiel dann auch noch der Flug von Mailand nach Hause der Streichwut einer irischen Billigfluglinie zum Opfer und wir konnten erst einen weiteren Tag später fliegen, sodass für uns das Auswärtsspiel unserer TSG in Freiburg nicht mehr machbar war.

Sektion Flugangst

Da bei mir die Aussage, ich würde ungern fliegen extrem untertrieben ist und zudem ein weiteres BBB- Mitglied das erste Mal fliegen würde und sich dabei auch nicht wirklich wohl fühlen würde, wurde die „Sektion Flugangst“ gegründet und am spielfreien Wochenende zwei Wochen bevor es losgehen sollte noch kurzerhand eine Sektionszaunfahne gemalt. Damit ist auch die Frage beantwortet, die u. A. von „kurvennews“ gestellt wurde: Ja, die Sektion Flugangst hat sich im Flieger auf den Weg nach Bulgarien gemacht und nicht auf dem Landweg.

Los ging es ab Nürnberg, also zeitig das Auto im Parkhaus geparkt und ab zum Flughafen. Da wir Trommel und Megafon dabei hatten und diese stilvoll in eine selbstgebaute Styroporbox verpackt hatten, waren uns irritierte Blicke am Flughafen garantiert. Wer sich die Bilder anschaut weiß warum wir auf „Allahu Akbar“- Rufe besser verzichtet haben.

Nach dem Einchecken der Trommel und noch ein, zwei Bier ging es auch schon Richtung Gate. Dabei noch unseren weltklasse Flieger im Schlümpfe- Design betrachten können und zudem festgestellt, dass kaum Leute am Gate waren: Das konnte ja nur ein guter Flug werden. Im Flugzeug stellte sich dann heraus. dass nur 35 von 189 Plätzen belegt waren. Somit blieb dem Servicepersonal ausreichend Zeit uns mit Bier zu versorgen und uns auf die heiße Co-Pilotin hinzuweisen. Nachdem die Biervorräte des Fliegers geleert waren und die Co-Pilotin sich mit einer eleganten S-Kurve, aber holprigen Landung von uns verabschiedet hatte, war der erste von drei Flügen auch schnell überstanden.

Ankunft

Am Flughafen kurz orientiert und mit Landeswährung eingedeckt, bevor es mit dem Bus ins Stadtzentrum von Varna ging, wo unser angemietetes Apartment auch schnell gefunden wurde. Im Apartment kurz den Ausblick über Varna genossen und dann noch die Biervorräte aufgestockt, sodass man sich dann auf den Weg zum Treffpunkt zur Abfahrt des Busses machen konnte, der uns ins ca. eine Stunde entfernte Razgrad bringen sollte. Da keiner von uns einen Mietwagen fahren wollte und es auch sonst keine vernünftige Alternative gab um in das im Landesinnere gelegene Razgrad bzw. von dort wieder zurück zu kommen, hatten wir uns entschieden mit dem von der TSG eingesetzten Bus von Varna nach Razgrad zu fahren. Dabei sollte es sich als gute Entscheidung herausstellen, dass als Abfahrtszeitpunkt schon 18 Uhr bei Fahrtzeit von einer Stunde und Anpfiff um 22 Uhr Ortszeit vereinbart war, denn es wurden erst einmal zwei Runden durch Varna gedreht, bevor der Bus auch schon wieder stehen blieb. Grund war wohl irgendein Problem mit dem zweiten Bus; so recht konnte das aber keiner sagen. Nach einer gefühlten Ewigkeit konnte es dann doch weitergehen. Die Fahrt durch das öde Hinterland wurde uns von unserem Gruppen-DJ mit einigen Klassikern versüßt. Als man endlich in Razgrad ankam bot sich ein überragender Blick von der höher gelegenen Straße auf das Stadion und die Flutlichtmasten und einem wurde klar, was es doch für ein besonderes Erlebnis ist, unsere TSG durch Europa zu begleiten. Am Stadion angekommen ging es zügig durch die Einlasskontrollen, die in Bulgarien üblicherweise durch die Polizei durchgeführt werden, was sich aufgrund der laschen Kontrollen allerdings nicht als Hindernis herausstellen sollte. Im Block angekommen wurden dann erstmal die Gruppenzaunfahne, sowie das „Lauterstein“- und natürlich das „Sektion Flugangst“- Banner aufgehängt Kurze Zeit später trafen auch die restlichen Leute von 11h3 ein, die sich zuvor in einer Kneipe in Razgrad getroffen hatten. Aufgrund unseres späten Fluges und da wir keinen Mietwagen hatten, war der Treffpunkt leider für uns nicht machbar. Insgesamt waren wohl so um die 200 Leute im Gästeblock, was dann doch noch mehr waren als ich erwartet hatte.

Das Spiel

Das Stadion in Razgrad hat ein Fassungsvermögen von ca. 7.000 Plätzen. Der eigentliche Gästeblock befindet sich auf einer Hintertor-Seite. In dem dortigen Käfig waren wir jedoch nicht untergebracht, sondern auf der Gegentribüne. Zu Spielbeginn gab des auf Razgrader Seite eine Festungs-Choreo, die wohl auf die Stadtgeschichte Bezug nahm, während auf unserer Seite etwas Rauch gezündet wurde.

Die frühe 1:0- Führung für die TSG sorgte dafür, dass der Support trotz der wenigen Mitgereisten relativ laut war, da sich fast alle auch am Support beteiligten. Je länger das Spiel jedoch andauerte, desto stärker wurde Razgrad und desto schwächer wurde unser Support und wie so oft in letzter Zeit konnte der Gegner das Spiel noch drehen und wir müssen weiterhin auf den ersten Sieg auf internationaler Ebene warten. Nach dem Spiel mussten wir noch kurz im Block bleiben bis die Heimfans abgereist waren, bevor es dann ohne weitere erwähnenswerte Vorkommnisse zurück zum Bus ging. Angekommen in unserer Unterkunft lies man den Abend nach einem anstrengenden Tag nur noch gemütlich ausklingen.

Der Tag danach

Am nächsten Tag wurde das volle Touri-Programm durchgezogen: Etwas durch die Stadt geschlendert, bei bestem Wetter eine Runde im Meer geschwommen und dann bei dem ein oder anderen Cuba Libre die Sonne auf den Kessel scheinen lassen. Nach einem reichhaltigen Abendessen und der obligatorischen Trinkspielrunde stürzte man sich in das Nachtleben von Varna. Dabei zeigte sich, dass unser Fanprojekt Ahnung davon hat was gut ist, denn sie führten uns in eine Bar, die mit gutem, günstigen Bier, einem Barkeeper im „SLAYER“- T-Shirt und vorzüglicher Musik zu gefallen wusste. Leider gab es dort ab halb zwölf kein Bier mehr, sodass wir weiterziehen mussten. Highlight auf dem Weg zur nächsten Lokalität war ein Promoter, der uns einen Stripclub schmackhaft machen wollte; dessen Vermarktungsstrategie aber kolossal zusammenbrach, als er feststellte, dass wir in weiblicher Begleitung waren und er nur noch stammeln konnte, dass es dort „Tanz“ geben würde. Schließlich fanden wir noch eine Bar, in der der Abend weitergehen konnte . Dank des ein oder anderen Cuba Libre konnte der Rest der „Sektion Flugangst“ davon überzeugt werden, den Trip zum Spiel in Istanbul auf sich zu nehmen. Unter Alkoholeinfluss hat man eben die besten Ideen. Dank meines stümperhaften Englisch wurde der Abend dann auch noch länger als gewollt, den statt die letzte Runde zu zahlen wurde uns eine weitere an den Tisch gebracht, sodass uns nichts anderes übrig blieb, als diese auch noch zu vernichten, völlig ungeachtet der Tatsache, dass unser Flieger für das Teilstück nach Mailand schon um 6 Uhr morgens ging.

Heimreise

Völlig übermüdet fuhr man dann mit dem Taxi Richtung Flughafen und da man hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt war, interessierte es einen auch relativ wenig, dass der Taxifahrer mit gemütlichen 100 km/h durch die Stadt ballerte und rote Ampeln eher als Halteempfehlungen betrachtete. Am Flughafen noch die letzten Lewa(ndowski) ausgegeben oder noch eine Mütze Schlaf gegönnt, bevor man in den Flieger -diesmal auch nicht im Schlümpfe-Design- steigen konnte. Im Flieger bewiesen einige Mitreisende dann wieder einmal wie nervig Menschen sein können: erst „miaute“ dauernd ein mitgebrachte Plüschkatze (ok, zugegebenermaßen war ich nur neidisch, aber mein Wunsch auch solch eine Katze zu bekommen wurde leider nicht erfüllt) bevor über uns im Handgepäck durchgehend eine elektronische Geburtstagskarte vor sich hindudelte, und so ging für uns dieser Flug mit „feinsten elektronischen Klängen“ zu Ende.

Den uns, dank Ryanair, zusätzlich zur Verfügung stehenden Tag nutzte man, in dem man sich den beeindruckenden Blick aus der Altstadt Bergamos über die Stadt und das Umland zu Gemüte führte, ehe ein Teil sich für zum Hoppen nach Brescia auf den Weg machte, während der Rest die Touri-Tour in Mailand fortsetzte, bevor man sich abends wieder in Bergamo traf und diese geniale Tour mit einem gemütlichen Essen und ein paar letzten Bier ausklingen lies. Der Rückflug nach Nürnberg verlief dann völlig unspektakulär. Einziger Wermutstropfen war schließlich, dass man die Niederlage beim SCF nur über Radio und Liveticker verfolgen konnte, bevor man pünktlich zum entscheideneden dritten Freiburger Treffer wieder in der Heimat war.

#dankeryanair

Kurvenphotos Kicker Spielbericht

Keinen Post mehr verpassen
Dir gefallen unsere Spielberichte und andere Neuigkeiten aus der Kurve? Trage deine E-Mail Adresse ein um dich für den kostenlosen Newsletter zu registrieren und erhalte bei neuen Posts eine E-Mail und auch nur dann!